Bis ein Lied aus dem Pop-Genre Zugang in die Chorwelt findet, dauert es üblicherweise einige Jahre. Es ist dann meist längst nicht mehr in den aktuellen Chartslisten vertreten. Ein Grund dafür könnte sein, dass Popchorarrangeure lieber warteten bis ein Lied zum Klassiker wurde, bevor es zu schnell in Vergessenheit gerät. Heutzutage sorgen allerdings auch mutige, moderne A cappella Gruppen wie «Pentatonix» für einen etwas rascheren Umlauf. Mit ihrem Arrangement «Say Something» vom New Yorker Popduo «A Great Big World» verbreiteten sie eine Chorversion, nahezu parallel zum Chartserfolg des Originals. Eben dieses Original kommt ohne grosse Popbeats daher. Ein Klavier und die für eine Ballade typisch-theatralen Streicher im Hintergrund reichen dem Stück, sich komplett zu entfalten. Das Lied eignet sich ideal zum Arrangieren für Chor und Pentatonix setzt mit Staccatos und Legatos die Unterschiede zwischen Klavier und Streicher geschickt.  

Doch in dieser Folge unseres Chorblogs geht es nicht nur um das Arrangement, sondern auch um den auftretenden Chor selbst, der weltberühmte «Stellenbosch University Choir». Stellenbosch, eine südafrikanische Stadt unweit von Kapstadt, wirkt in der sie umgebenden Weinbauregion nicht nur unglaublich pittoresk und europäisch, ist sie auch traditionell eine Siedlung europäischer Einwanderer und in die ortansässige Eliteuniversität finden nur wenige, dunkelhäutige Südafrikaner Zugang. Der Chor, immerhin aktueller Platz 1 der Musica Mundi Weltrangliste, ist geprägt von europäischer Chormusik, findet aber immer wieder die Brücke zu traditioneller, afrikanischer Musik in europäisierten Arrangements.

Es lohnt sich einige andere Videos des Chores anzuschauen, z.B. «Indodana» oder «Let my love be heard». Schaut man den Sängerinnen und Sängern in die Augen, erkennt man schnell, mit welcher Inbrunst sie bei der Sache sind. Trotzdem wirkt der Auftritt nicht gespielt – nicht übertrieben bewegt, wie dies in manchen amerikanischen Universitätschören zu sehen ist. Die Offenheit gegenüber den Gefühlen beim Singen lässt den Zuschauer fesseln. Er hört und schaut gebannt zu. Wahrscheinlich ist die Wirkung deshalb auch grösser beim Schauen des Videos als nur beim Hören der Musik. Ein sehr gutes Beispiel für ein wirkungsvolles Erscheinungsbild auf der Bühne.